Pressespiegel

12.01.2018 01:59 Alter: 192 days

Darum fühlen sich Studenten in Marten so wohl

MARTEN . Ob zum Wohnen oder zum Ausgehen – viele Studenten zieht es ins Kreuzviertel. Der Stadtteil Marten hat da fraglos noch Nachholbedarf. Aber es gibt schon längst Studierende, die den Vorort für sich entdeckt haben.

Von Beate Dönnewald 

Der 32-jährige Student Conrad Krausche aus der Schweiz musste nicht lange überlegen, als er vor einem Jahr die Martener Wohnungsanzeige im Internet las. Im ersten Moment war es der finanzielle Anreiz, der ihn flugs sein WG-Zimmer in der Innenstadt kündigen und nach Marten ziehen ließ. „90 Euro weniger Miete zahle ich hier“, berichtet der angehende Doktorand, Fachrichtung politische Philosophie, an der Technischen Universität Dortmund.

Längst weiß Conrad Krausche, dass er mit dem Wohnungswechsel nicht nur aus finanziellen Gründen das große Los gezogen hat. Seine Vermieterin ist herzlich, die Jugendstil-Villa, in der er sich mit fünf Studenten eine Wohnung teilt, ein gemütliches Zuhause. Im Sommer darf die WG auch mal im Garten sitzen und grillen. „Viel besser könnte ich gar nicht wohnen“, sagt der Stipendiat. Eine glatte Eins für den Stadtteil vergibt er gleich zweimal: „Hier bekommt man alles für den täglichen Bedarf. Wir haben vier Lebensmittelgeschäfte, einen türkischen Laden, einige Fachgeschäfte. Und wir sind hier sehr gut angebunden.“ Mit der U-Bahn sei er ruckzuck in der Innenstadt, S-Bahn und Bus würden ihn direkt zur TU bringen.

»Marten hat einiges an Kultur zu bieten.«

Nikola Stankovic, Student

»Die Anbindung an Uni und Innenstadt ist klasse.«

Conrad Krausche, Student

An seinem Esstisch sitzen zwei weitere Studenten, zusammengetrommelt von der Stadtteil-Redaktion: Nikola Stankovic (21) und Joshua Entrop (22). Beide singen das Loblied auf Marten weiter. Die jungen Männer studieren an der Ruhr-Universität Bochum, auch die erreiche man von Marten aus gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln, erzählen sie. „Die Nähe zum Indupark finde ich richtig gut, da bekomme ich alles, was ich brauche. In die Stadt fahre ich nur, um mich mit Freunden zu treffen“, erzählt Nikola Stankovic. Marten, meint er, habe einiges an Kultur zu bieten. „Wir haben das Westfälische Schulmuseum, mehrere Kirchen, einen buddhistischen Tempel“, listet der Student der Fächer Politik, Wirtschaft und Gesellschaft auf. »Ich kann den indischen Imbiss empfehlen.« Joshua Entrop, Student

Sein Freund Joshua spricht anerkennend über Emscherrenaturierung und neue Fahrrad- und Wanderwege. Und: Für Studenten habe Marten ein gutes und günstiges kulinarisches Angebot. „Ich kann den indischen Imbiss empfehlen“, sagt der Student der Sozialwissenschaften. „Ich gehe lieber zum Griechen an der Martener Straße“, wirft Conrad Krausche ein.

Das Trio spart aber auch nicht mit Kritik: das größte Manko Martens aus Studentensicht sei die fehlende (Außen)-Gastronomie. „So etwas wie das Hicc Up in Dorstfeld fehlt hier“, sagen die Drei unisono. Aber zumindest gebe es ja jetzt den neuen Nachbarschaftstreff „Meilenstein“, so Conrad Krausche. Außenbestuhlung soll dort im Frühjahr folgen, ein ESport-Verein (Wettbewerbe am Computer) hat sich in den Räumen bereits gegründet, die ersten Kulturveranstaltungen und Vorträge sind geplant (wir berichteten). Conrad Krausche war im November 2017 bei der Eröffnungsfeier des „Meilensteins“. Bei dieser Gelegenheit hat er das Martener Forum kennengelernt – und war von dessen Arbeit so begeistert, dass er spontan beschlossen hat, die ehrenamtlichen Akteure zu unterstützen. Nikola und Joshua können sich das auch gut vorstellen, um so das Quartier gerade für junge Menschen weiter nach vorne zu bringen.

Das wollen auch die Verantwortlichen von „Nordwärts“, dem Zehn-Jahres-Projekt zur Stärkung der nördlichen Stadtbezirke. Sie haben Marten schon längst im Visier und reagieren damit auf Bürgerwünsche. „Getrennt durch die B1 –Marten und die Universität“ heißt ihr aktuelles Projekt. Unter anderem gehören dazu die Ansiedlung von Einrichtungen der Hochschulen und des Technologiezentrums, der Bau eines Studentenwohnheims und ein Radweg vom Ortskern bis zur Abfahrt B1.

Wie viele Studenten aktuell in Marten leben, lässt sich nicht so leicht ermitteln. Der Studenten-Status werde beim Einwohnermeldeamt ja nicht abgefragt, so Stadtsprecher Frank Bußmann. Die Quartiersanalyse von 2014 zeigt aber, dass der Anteil der Personen unter 30 Jahren, zu dem in der Regel Studenten gehören, mit 40 Prozent in Marten deutlich höher ist als im städtischen Durchschnitt (33 Prozent) und im Bezirk (32 Prozent). Conrad Krausche liegt mit seinen 32 Jahren etwas über dieser Altersgruppe. Aber er arbeitet ja auch schon an seinem Doktortitel. Und bis er den in der Tasche hat, will er auf jeden Fall in Marten bleiben.

Forum trifft sich am 23. Januar

Das nächste Treffen des Martener Forums ist am 23. Januar (Dienstag). Beginn ist um 18.30 Uhr im Meilenstein, In der Meile 2. Unter anderem stellt sich der neue Aktionsbeauftragte vor.

Nachgefragt

„Ein tolles Quartier“

Hallo, Frau Bonan, einige Studierende sind bereits in Marten angekommen. Das ist doch schon mal ein guter Grundstein für das Martener Nordwärts-Projekt, oder? Genau, unser Ziel ist es ja, viele Studierende ins Quartier zu holen. Schließlich liegt der Ortsteil unmittelbar neben dem Hochschulgelände, nur durch die B1 getrennt. Wie wollen Sie das erreichen? Durch den Bau eines Studentenwohnheims? Das ist kurzfristig nicht realisierbar. Es geht zunächst darum, durch Drittmittel-Projekte den Ort für junge Leute interessant zu machen. Ein erster Schritt ist der „Meilenstein“, wo unter anderem die wissenschaftliche Förderprojekte „KuDeQua“ und „Zukur“ laufen. Womit könnten Studenten noch gelockt werden? Denkbar sind etwa die Entwicklung von Angeboten wie Umsonstladen, Cafés, gemeinschaftliche Gärten beziehungsweise essbare Stadt, also der Anbau von Lebensmitteln im urbanen Raum, Tauschbörsen und -bibliotheken. Alles das sind Ideen, die bereits in den „Nordwärts“- Beteiligungsverfahren von den Bürgern genannt wurden. Sind Sie zuversichtlich, dass es funktionieren wird? Marten ist ein tolles Quartier. Da geht was.

RN vom 12. Januar 2018/ Beate Dönnewald/ Fotos: Beate Dönnewald